Buchprojekt: Makom tov – der gute Ort. Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder) / Słubice – Wir wollen 223 Bücher an alle öffentlichen Bibliotheken in Brandenburg verschenken.
Der jüdische Friedhof in Slubice, dem polnischen Teil von Frankfurt/Oder, ist heute fast gänzlich vergessen. Die ehemals blühende Gemeinde wurde im Nationalsozialismus ausgelöscht, der Friedhof von den polnischen Behörden nach 1945 missachtet. Bislang gibt es keine Dokumentation dieses Ortes – wir wollen das ändern und eine Bilddokumentation mit ergänzenden Texten verlegen, ein Projekt des Instituts für angewandte Geschichte (www.instytut.net).
Welche Dimension dieses Projekt hat, zeigt allein folgende Tatsache: 1929 sollte schon einmal im Verlag von Gustav Harnecker das Heft „Der Frankfurter Judenfriedhof. In Bildtafeln seiner Denkmäler, mit einer Geschichte der Frankfurter Juden“ erscheinen. Dazu kam es allerdings nie. Erst mit diesem Buchprojekt – also mehr als 600 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung des Friedhofs – wird es eine Dokumentation zu diesem Ort geben.
Das Buch, das wir über den Friedhof verlegen wollen, ist das Ergebnis der langjährigen Beschäftigung eines Lokalhistorikers mit der Geschichte des jüdischen Friedhofs in Słubice. Bereits 1965 betrat Eckard Reiß den damals zugewachsenen alten jüdischen Begräbnisort an der deutsch-polnischen Grenze zum ersten Mal. Damals ahnte er nicht, dass die Fotos dieses Besuchs, von der Friedhofsmauer, von Grabsteinen, von der Ruine der Trauerhalle und eine kurze Filmaufnahme, die er nur mit großem Glück und dank eines guten Schusses Pfiffigkeit über die Grenze brachte, zu den einzigen Bildquellen werden sollten, nachdem die Anlage des Friedhofs und fast alle Grabsteine in den folgenden Jahren zerstört wurden.
Diese einzigartige Sammlung zur Geschichte des Friedhof wurde in über 10 Jahren intensiver Archiv- und Bibliotheksrecherchen in Jerusalem, Köln, Amsterdam, Berlin, Frankfurt am Main und Frankfurt/ Oder zu einer Grabsteindokumentation für diesen besonderen Friedhof ausgebaut. Neben Übersetzungen der hebräischen Inschriften beinhaltet die Dokumentation die Ergebnisse des Abgleichs mit dem teilweise erhaltenen Sterberegister und den historischen Adressbüchern der Stadt.
Die Publikation nimmt sich dem jüdischen Erbe der Region an. Die Juden, die hier einst lebten und in der Messe- und Universitätsstadt eine bedeutende Rolle spielten, sind indes nicht mehr aufzufinden. Das jüdische Kulturerbe östlich der Oder ist heute eine deutsch-polnische Angelegenheit. Polnische und deutsche Autoren ergänzen die Dokumentation von Eckard Reiß. Eine regionale Perspektive eröffnet der engagierte Historiker, Mitbegründer der Stiftung Lebuser Judaica und Direktor des Stadtmuseums in Meseritz (Międzyrzecz), Andrzej Kirmiel. Sein Beitrag handelt vom Umgang mit deutschen, darunter auch jüdischen Friedhöfen in den neuen polnischen Westgebieten der Nachkriegszeit. Dr. Nathanael Riemer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Religionswissenschaft an der Universität Potsdam, begleitete das Projekt und erklärt in seinem Beitrag die besondere Bedeutung der Friedhöfe für die jüdische Kultur.
Im Sinne „angewandter Geschichte“ möchte das Buch einen Beitrag leisten zu einer öffentlichen und transnationalen Diskussion über das jüdische Kulturerbe im Lebuser Land und in Ostbrandenburg, über die jüdische Geschichte dieser Region, das Zusammenleben von Juden und Christen im Mittelalter und in der Neuzeit sowie über die Vernichtung des hiesigen Judentums durch die Nationalsozialisten vor und während des Zweiten Weltkriegs und der Umgang mit ihren Hinterlassenschaften in der Nachkriegszeit. Und es möchte zu weiterer wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesem Thema anregen.
Wieso soll man unser Projekt unterstützen?
Das geplante Projekt wird im Berliner Vergangenheitsverlag erscheinen, einem jungen, unabhängigen Verlag, der Sachbücher zu historischen Themen verlegt. Das Projekt geht auf eine Initiative des Instituts für angewandte Geschichte zurück (www.instytut.net) in Zusammenarbeit mit dem Lokalhistoriker Eckard Reiß.
Zwar sind für das Projekt bereits andere Fördergelder eingeworben worden, aber dieses Buch wird kein kommerzielles Projekt werden, soll es auch nicht. Wir wollen trotz hoher Produktionskosten einen demokratischen Preis von 12,90 Euro halten, damit das Buch sich schnell verbreitet und der Preis nicht zur Barriere wird, um sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Konkret wollen wir allen 223 öffentlichen Bibliotheken in Brandenburg das Buch schenken. Dazu benötigen wir 1.000,00 Euro und hoffen auf eure Unterstützung.
Vielen Dank!
Wer das Projekt nicht über PayPal unterstützen möchte, der schreibt einfach eine Nachricht an info@vergangenheitsverlag.de.